Höher und weiter - aber nicht schneller

Vom Genuss des langsamen Aufstiegs.

25. August 2017  |  Yvonne Aschoff  |  0

Ausnahmsweise ist der Tannerhof mal für höher und weiter - wenn es um das Glück in den Bergen geht! Schneller muss nicht sein, beim Langsamer kriegt man einfach mehr mit, dann wird's automatisch tiefer und näher. Und beim Genießen muss man ja nun mal keine Leistungsrekorde brechen.

Der Tannerhof hat ja seine Lieblingsberge, die fast alle von der Haustüre weg erreichbar sind. An dieser Stelle gibt es heute zwar keinen Geheimtipp, denn der Breitenstein gilt auch als einer der Münchner Hausberge (am Wochenende tut er einem fast leid mit dem ganzen Gekrabbel) - aber trotzdem ist er einer meiner Lieblingsberge, den ich heute zur schönsten Herbst-Wanderzeit zusätzlich empfehlen möchte.

Ausgangsort ist Birkenstein - hier empfiehlt sich in der morgendlichen Stille auch ein Besuch der außergewöhnlichen Wallfahrtskapelle. Der große Wanderparkplatz am Ende des Ortes lässt den Wochenendansturm erahnen und unsere Gäste frohlocken, dass sie während des Tannerhof-Urlaubs auch unter der Woche unterwegs sein können. Start: weiter Richtung Ortsausgang und dann links den Schildern nach.

Es gibt ja Berge, die es einem nicht so leicht machen, an denen man sich ein bisschen abarbeiten muss. Ganz anders der Breitenstein, der es gut meint mit dem Genusswanderer... Am Anfang gemächliche Steigung und bequemes Einlaufen auf dem Forstweg mit Bachrauschen und Waldduft (nur 1x Achtung: an der 1. Weggabelung links halten über die Brücke, nicht Richtung Wasserfall). Für Pfadwanderer: Augen auf kurz hinter der Brücke rechts, da geht es weiter in Bachnähe und über Wurzeltreppen hinauf, bis man wieder auf den Forstweg stößt, der im Winter eine gefragte und schnelle Rodelstrecke ist. Es gibt doofe Forstwege und schöne - dieser ist ein abwechslungsreicher, der bald beim Verlassen des Waldabschnitts die Blicke erst auf imposante Felswände und dann in die Höhe oder zurück ins Tal freigibt.

Und da hat man denn auch schon das erste Etappenziel, die Kesselalm, erreicht. Ob man jetzt schon mal sitzt, trinkt und guckt? Ich nicht, später vielleicht. Dann aber auch unbedingt zum winzigen Kapellchen, was Adlerhorst-mäßig über dem Tal thront und einen Abstecher von der Kesselalm aus lohnt.
Ab hier habe ich immer das Gefühl, dass sich nicht nur die Landschaft sondern auch in mir alles öffnet, weit und frei wird. Irre schön, wenn man zufällig auch noch in den Genuss reiner Trompetenklänge des spielenden Senn kommt. Da ist die Natur der schönste Konzertsaal.
Jedesmal kurz hinter der Kesselalm wieder die Gretchenfrage: rauf zum Gipfel oder doch die Rundtour Richtung Wendelstein und über die Spitzingalmen zurück nach Birkenstein? Hach, auch schön! Aber, nee, der Blick von oben bei klarer Luft ist einfach unüberbietbar. Also weiter "laut Plan"...

Und hier ist der Breitenstein besonders gnädig, denn wo die Etappe steil wird und man ein bisschen auf seine Tritte achten soll, darf man in den kühlen Schatten des Waldes eintauchen. Man erinnert sich an ganz andere Gipfeletappen, bei denen man sich wie ein Backhendl vorkam. Das Gelände ist märchenhaft und entlässt einen auf ein kleines Plateau, auf dem die Hubertushütte sitzt. Für mich eine der schönsten Hütten. Urig, unaufdringlich und zurückhaltend vor dieser Traumkulisse, mit einem der schönsten Blicke zum Wendelstein - andernorts hätte man daraus schon Kapital geschlagen. Aus purem Glück, dass es hier nicht so ist, ein kleines Päuschen - nur, um diese Hüttenseltenheit zu genießen und den Wirten zu wünschen sie mögen sie nie "verbessern".

Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung von 90 Höhenmetern bis zum Gipfel. Ich freue mich schon auf meine gefiederten Freunde, die an meinen Käse wollen und für die ich zuhause ein Stück mehr abgeschnitten habe. Ich meide das Gipfelkreuz und suche mir einen ruhigen Platz auf dem breiten Rücken des Breitenstein.

So, und hier will ich jetzt erstmal für immer bleiben. Mehr brauch' ich nicht. Luft, Blick, Stille - und die Freude, dass der Vogel bleibt obwohl der Käse längst alle ist. Er probiert mal die Menschenperspektive aus und guckt mit mir.

Der Nebengipfel des Breitenstein. Ein weiteres Ziel im Ziel, wenn man die Wanderung als Rundweg gestaltet und über die Bucheralm absteigt. Ist auch sehr schön. Aber ich möchte noch zur Feuerhörndlkapelle bei der Kesselalm...

Und während ich mir das vornehme, um noch das Adlerhorst-Gefühl zu genießen, sehe ich die Vogelfreunde in der Luft und denke "Höher, Weiter, Schneller" ist bei Menschen nicht so gut. Bei meinen gefiederten Käsegenießern aber alles.

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