To be or not to be? oder...

TV or no TV?

02. February 2017  |  Yvonne Aschoff  |  0

Was ist nur geworden aus dem Fernsehen? Das dem Tannerhof-Gast eigene weite Schauen. Von der gemütlichen Sitznische im Zimmer aus, oder durch die herrliche Fensterfront in der Orangerie. Der Blick in die Landschaft, in den Nebel, in die Sonne, in die Regentropfen an der Fensterscheibe, auf Wolken und Berge, in die Dämmerung hinein, das verändernde Licht wahrnehmend. Oder und vor allem: nachts ohne Lichtsmog in den demütig machenden Sternenhimmel, darunter das kleine dezent leuchtende Postkartenbild von Bayrischzell.

Das ferne Schauen, das allzu oft zum nahen Sehen wird – zur Sicht auf sich selbst und das eigene Befinden. Die sich einstellende Ein-Sicht, die in ein Klarwerden mündet. 1000 Regentropfen an der Fensterscheibe können den reinsten Blick bedeuten: nach innen. Bestandsaufnahme ohne Ablenkung. Frieden. Ruhe. Endlich – die Welt da draußen soll, kann, darf jetzt Nebensache werden.

Der Tannerhof weiß seit jeher, wie wichtig, wie heilend diese Art des Fern-Sehens ist. Die 1905 erbauten Lufthütten dienten dem Weitblick und dem stärkeren Verbundensein mit der Natur – und damit auch mit sich selbst. Wie heilend dieses Ruhigwerden ist, erfahren die Tannerhof-Gäste seit Jahrzehnten und das Haus erlaubt sich nach wie vor, die Hotelzimmer TV-frei zu lassen. Nicht all inclusive sondern reduced to the max: was braucht der Mensch wirklich? Den Luxus nicht in allen denkbaren Gadgets zu sehen, sondern in der Reduktion auf die Essenz. Eine moderne Reminiszenz an die bergende Höhle. Aber nun das: statt ins Feuer (oder in die Ferne) guckt man in die Glotze.

Plötzlich verzeichnen wir eine fast schon inflationäre Bestellung von Fernsehern auf den Zimmern. Das fällt auffallend mit einem Machtwechsel in den USA zusammen. Will wirklich jeder jeden Tag sehen und hören, was Mr. T. jetzt schon wieder geliefert hat? Ist es ein heimliches sich-Empören, weil das Thema schon gar nicht mehr in den intellektuell-demokratischen Diskurs passt, der sonst in der kleinen Zuschauergruppe des öffentlichen Fernsehzimmers stattfinden würde oder könnte? Mag man die Fassungslosigkeit zwar bedienen, aber nicht mehr teilen? Beim Fernsehen auf dem Zimmer für sich die Wahl treffen zu müssen was real oder fake News sind, ist wohl zunehmend attraktiver als sich im Kaminzimmer mit gutem Buch, gutem Wein und gutem Gespräch zu fokussieren? IST man auch im Urlaub nur noch mit Glotze? Der Rückzug ins Alltägliche während der Auszeit? TV or not to be?

Vielleicht täuscht es ja auch. Vielleicht kam nur zufällig in dieser Zeit eine Reihe von spannenden Fußballspielen. Auch da wäre allerdings 'public viewing' immer amüsanter.

Es ist nicht dramatisch. Nur auffallend. Und ein bisschen schade.

Es lebe das Fern-Sehen!

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