Wenn das Zimmer zum Heustadl wird...

"Wie macht ihr das eigentlich...?" 10 Fragen an die Tannerhof-Hausdamen

06. November 2016  |  Yvonne Aschoff  |  1

Es geht weiter in unserer Interview-Serie „Wie macht ihr das eigentlich…?“

Und weil der Winter ihre Arbeit etwas beschwerlicher macht, sind aus gegebenem Anlass heute unsere Hausdamen Annette Schrädler und Kathrin Schnös an der Reihe, es schneit nämlich...
 

Tannerhof: Der Tannerhof hat 60 Zimmer. Die sind allerdings über weites Gelände und verschiedene Häuser verteilt. Was heißt das für Eure Arbeit?

Annette:
Das bedeutet in erster Linie, dass wir viel und weit laufen müssen.
Kathrin: Laufen, laufen, laufen. Schleppen, schleppen, schleppen. (lacht)
A: Ob Schnee, Regen oder Sonnenschein – wir sind oft am Tag zu den Hütten und Türmen unterwegs. Erst, bis alle Zimmer gemacht sind…
K: …und dann immer noch, wenn es spezielle Gästewünsche zu erfüllen gilt, die uns die Rezeption weitergibt.
A: Das klingt jetzt alles so klagend, aber es ist auch sehr schön, immer wieder auf dem Tannerhof-Gelände unterwegs zu sein.

TH: Wie organisiert Ihr euren Tag? Wie teilt ihr die Zimmermädchen ein? Und was sind die Besonderheiten?

A:
Die Zimmermädchen machen morgens erst einmal die Sauna und das Schwimmbad fertig. Dann werden die Faster-Tees verteilt. Das ist eine Besonderheit am Tannerhof. Die Faster, die in den Hauptgebäuden wohnen, bekommen morgens ihren Tee aufs Zimmer gebracht.
Dann werden die sogenannten Bleibezimmer gemacht – die Zimmer also, wo die Gäste nicht abreisen. Danach dann die Abreisezimmer, da aber natürlich die zuerst, die am selben Tag wieder belegt werden.
K: Die Mädels haben in der Regel ihre festen Arbeitsbereiche und sind dann entsprechend in der Alten Tann, Neuen Tann und Baumallee unterwegs. Die Hütten und Türme sind nicht fest eingeteilt, das variiert, das teilen wir nach Bedarf ein.
A: Nachmittags sind dann noch zwei Zimmermädchen da plus eine von uns beiden. Da werden dann solche Arbeiten gemacht wie der Saal, die Massageräume, die Bäderabteilung, die Kosmetikräume, der Fitnessraum, der Seminarraum. Natürlich mehrmals am Tag die öffentlichen WCs. Auch nochmal die Sauna – Getränke nachfüllen, Handtücher wechseln – und das Schwimmbad.
Dann beginnt der Spätdienst, der dauert von 17.00 bis 20.00 Uhr. Da wird nochmals durchs ganze Haus gegangen, aber auch im Außenbereich nach dem Rechten geschaut. Der Spätdienst ist dann auch in der Wäscherei beschäftigt, die Bademäntel werden gewaschen sowie die Putzlappen.

TH: Wie hoch ist der Zeitdruck – wie lange kann/muss man durchschnittlich für ein Zimmer rechnen?

K:
Die Mädels arbeiten diesbezüglich mit unserem vollsten Vertrauen. Sie wissen sehr genau, wie lange sie brauchen sollten. Natürlich gibt es immer wieder Fälle, wo es mit der durchschnittlichen Zeit nicht hinhaut, da sagen sie dann Bescheid.
A: Manche Mädchen sind nur vier Stunden da. Die sollten schon eine bestimmte Zimmeranzahl schaffen in der Zeit, aber wir stehen da nicht mit der Stoppuhr. Es ist bei uns ein ganz großer Unterschied bei den verschiedenen Zimmern. Drei Kammerl gehen eben schneller als zwei Almzimmer. Wenn Kinder mit in den Zimmern waren, dauert es auch länger.
K: Oder Hunde in den Hütten.
A: Bei uns funktioniert aber eigentlich alles super, weil wir so ein eingespieltes Team haben. Manche sind schon sehr lange am Tannerhof.

TH: Das Zimmermachen ist ja das Eine – woran müsst ihr noch alles denken?

K:
Wir Hausdamen kümmern uns ums Kaminzimmer, die Zeitungen im Lesezimmer, die Zimmerblumen und Blumendekoration in den Hotelgängen, auch um die Gäste-Begrüßungsboxen auf den Zimmern. Dann schauen wir, dass in der Wäscherei alles seinen Gang geht, kümmern uns um die Gästewünsche und nachmittags machen wir für die angereisten Gäste und alle, die Lust haben, eine Hausführung.
A: Ganz genau - vormittags sehen wir zu, dass es mit den Zimmern weitergeht. Mittags ist die stressigste Zeit, da bündeln sich Ab- und Anreisen. Nachmittags haben wir dann meistens Zeit, uns um Bestellungen und vorbereitende Arbeiten zu kümmern.
Wir sind auch in engem Kontakt mit den Haustechnikern – die sind gefragt, wenn es schnelle Reparaturen braucht.
K: Und jetzt kommt das Stöbern dazu – die Grundreinigung, die wir schon in freien Zimmern durchführen.
A: Besonderheiten sind die vielen Workshops oder auch Seminare, die am Tannerhof stattfinden. Dafür sind wir dann im Saal und Seminarraum mehr gefordert. Mit dem Service teilen wir uns das Organisieren und Wegräumen der Getränke etc.

TH: Wie ist das eigentlich mit der Wäsche – das alte Waschhaus ist ja noch in Betrieb, was wird hier am Tannerhof gewaschen und was geht raus?

K:
Hier waschen wir Bademäntel, alles was aus der Kosmetik kommt und Lappen. Die Bettwäsche und Handtücher geben wir raus.
A: Und die Gästewäsche wird hier gewaschen, das macht unsere Ankica.

TH: Was hat euch eigentlich persönlich dazu bewegt, an den Tannerhof zu kommen?

A:
Das war bei mir ganz einfach und hat zeitlich super gepasst: Ich bin mit der Schule fertig geworden, war aber in Österreich und wollte wieder in die Heimat. Da gab es die Anzeige in unserem Lokalblättchen und das war’s dann. Ich kannte den Tannerhof bis dahin noch nicht, aber er gefiel mir gleich sehr gut. Damals gab’s noch zwei Hausdamen, die aber beide aufhörten und eigentlich nur drauf warteten, dass eine Nachfolge kam.
K: Ich kam wegen der Liebe hier in die Gegend, musste mir dann einen Job suchen. Ich war erst am Spitzingsee, wo es mir nicht gefiel. Mein Freund hat mir dann den Tannerhof nahegelegt.

TH: Welche Jahreszeit ist für euch arbeitsintensiver? Sommer oder Winter? Das hängt ja auch ganz stark vom weitläufigen Außenbereich am Tannerhof ab.

A:
Also, ich finde, da gibt’s jetzt nicht so einen großen Unterschied. Im Winter kommt eben jetzt noch die Grundreinigung hinzu und die Wege sind anstrengender. Aber im Sommer gibt es ja noch den gesamten Außenbereich zu beachten: Liegewiesen, Blumenkästen… Und voll ist es ja das ganze Jahr.
K: Für mich persönlich ist es der Winter – Stiefel an, Stiefel aus, Jacke an, Jacke aus, und immer mit dem langen Dirndl durch den Schnee... Ich habe auch das Gefühl, dass die Gäste im Winter betreuungsintensiver sind. Im Sommer sind alle eher draußen.

TH: Wie intensiv ist euer Kontakt zu den Gästen?

A:
Leider relativ schlecht. Wir haben nicht viel Kontakt zu den Gästen – eigentlich nur bei der Hausführung.
K: Schön ist es mit den Stammgästen, die immer auf uns zugehen und den Kontakt suchen.

TH: Gibt es so richtige Schreckmomente für euch?

A:
Mich erschreckt nichts mehr. Früher hat’s mich gestresst, wenn Gäste schon angereist waren, aber die Zimmer noch nicht fertig. Oder wenn eins der Mädels krank wurde – ob wir da alles in der Zeit schaffen. Die Erfahrung, dass doch immer alles irgendwie klappt, macht cooler.
K: Stimmt. Es geht immer irgendwie.

TH: Jetzt mal ins Nähkästchen geguckt – was bringt euch total aus der Fassung?

K:
Zwei Dinge bringen mich leider total aus der Fassung – hat beides mit Respekt zu tun: wenn wir nur als Laufpersonal behandelt werden, und wenn die Sonderwünsche so absurd werden, dass man sie für Schikane halten könnte. Beides passiert zum Glück selten, weil wir wirklich nette Gäste haben.
Einmal war ein Turmzimmer über und über mit Gras "dekoriert", auf den Lampenschirmen, im Bett, einfach überall. Da sah's aus wie im Heustadl.
A: Mich würde es vermutlich komplett aus der Fassung bringen, wenn es um den Vorwurf vermeintlichen Diebstahls ginge. Das fände ich schlimm. Und es gibt schon schräge Geschichten, ich persönlich habe drei lustige Anekdoten. Aber die lassen wir mal lieber im Tannerhof-Nähkästchen.
Aber ganz klar, wer uns immer wieder aus der Fassung bringt (lacht und zwinkert)...
K: Bringt mich gar nicht aus der Fassung, Hauptsache, er bringt Toffifee!
A: Ich hätt‘ gern mal Kinderschokolade – kannst du das schreiben?

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Kommentare

  • Parkhotel Hannover

    08.11.2016

    Hallo,
    die beiden Damen geben mir einen guten Eindruck in das Leben der Putzkräfte. Diesen Einblick bekomme ich in meinem Hotel (http://parkhotel-hannover.de/tagungshotel) leider nicht, da ich nicht mit den Putzkräften in Kontakt stehe. Vielleicht sollte ich das mal ändern.
    Viele Grüße

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