Des Winters neue Kleider

Das Schöne hinter der Schneefreiheit

30. December 2016  |  Yvonne Aschoff  |  0

Die Menschen so: „Och bitte, Schnee. Is doch unser Winterurlaub! Wollen Skifahren!“.
Die Natur so: „Nö“.

Ich persönlich finde ja, sie darf das auch mal, die Natur. Aber da denkt jeder ein bisschen anders. Der Mensch ist ja geneigt, bisweilen sehenden Auges nicht gerade in sein Verderben, aber doch in gänzlich ungewollte und doch erwartbare Situationen zu geraten. Alle Jahre wieder den ausbleibenden bis wenigen Schnee zur Kenntnis nehmend, schnappt man sich doch jedes Mal die Bretter und gibt sich beim ersten (notfalls auch artifiziell hergestellten Weiß) der winterlichen Betriebsamkeit hin. Nur, dass die „Betriebsamkeit“ ja nicht mehr ein fröhlich-buntes Treiben ist, sondern eine ausgewachsene Industrie. Mit dem Ausmaß der Wintersportbequemlichkeits-Veredelung musste auch irgendwie das Einsehen wachsen, dass man eventuell auch mal die Rechnung ohne den Wirt machen wird.

So, und nun sagt der Wirt zu den Menschen, die sich auch heuer wieder über weite Strecken in Bewegung setzten, um das Winterweiß zu genießen, einfach mal „Nö“.
Auch unsere Gäste hätten sich sicherlich gefreut, die wunderschöne Leitzachtal-Landschaft im Schneekleid zu sehen, langlaufen zu können und am Sudelfeld oder Spitzingsee ski zu fahren, im knirschenden Schnee zu wandern. Ihre Freude besteht nun immerhin darin, nicht in einem typischen Wintersportjodelpseudoalpenstil-Kitschkomplex zu sitzen und sich für Shopping statt Skifahren erwärmen zu müssen.
Im Gegenteil, am Tannerhof zu sein, der einfach rund ums Jahr ein Urlaubs-Zuhause ist, bedeutet auch, sich den Schönheiten so zu öffnen, wie sie eben da sind – außen wie innen: Die Natur ist ja immer schön, wenn wir bereit sind, das was wir von ihr einfach erwarten von unserem Idealbild zu subtrahieren.  Man erkundet sie eben auch jetzt wandernd: Zum Beispiel ab dem neu eröffneten Zipfelwirt im Ursprungtal. Ursprünglich im wahren Sinne wird es einem hier, denn man darf feststellen, dass es auch ohne den ganzen Skizirkus extrem wohltuend sein kann, wenn man sich in einer solch herrlichen Landschaft bewegt. Das Licht golden, der Himmel blau, das Gesicht in die Sonne gestreckt, die Berge erhaben - ob mit Schnee oder ohne.
Und innerhalb der Tannerhof-Wände gibt es ja so viele Dinge die locken: das ganze wunderbare Entspannungs- und Aktivitäten-Programm. Genussvolle Schönheitsbehandlungen - da vergisst man sowieso die Welt um einen herum, ob mit Schnee oder ohne. Oder bei diesem herrlichen Licht das Atelier nutzen und vielleicht (Schnee-)Bilder malen? Lesend mit Weitblick die Zeit vorüberziehen lassen, ohne den Drang, sie füllen zu müssen. Vielleicht stellt man ja am Ende des Urlaubs fest, dass man sich ganz wunderbar erholt hat – das wäre doch ein süßes Trostpflaster auf die schneefrei verbrachten Ferien… So kann man doch eigentlich mit der neuen Winter-Situation locker und genüsslich Frieden schließen und der Natur sagen „hübsches neues Kleid hast Du, ziehst Du denn auch das Weiße gelegentlich noch an?“.

Ach, übrigens: ab Montag soll es schneien.

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