Heimat ist wo das Herz weh tut?

Ein Eindenken und Ausdenken über einen ungreifbaren Begriff

30. September 2016  |  Yvonne Aschoff  |  0

Merkwürdig. Da denkt man ein Weilchen drüber nach, was „Zuhause“ und „Heimat“ eigentlich bedeutet und dann erscheint die neue Ausgabe der ZEIT. Im aktuellen ZEIT Magazin dreht sich alles um die Frage „Was ist Heimat?“ und ich fühle mich in meinem Kreisedenken voll ertappt.

Mich bringen unsere Gäste immer wieder auf diese Frage: Regelmäßig hören wir so schöne Sätze wie „Ich fühl‘ mich hier wie zuhause“, „Es ist wie nachhause kommen, wenn wir wieder hier sind“, „Irgendwie ist der Tannerhof für mich zu einem Stück Heimat geworden“. Aha, da haben wir ihn also, den Begriff  H e i m a t . Da steht es nun in Buchstaben, dieses Gefühl, das für jeden so erdend wichtig ist und doch für alle scheinbar eine etwas andere Gewichtung hat…

Ist nun Heimat da, wo ich aufgewachsen bin? Oder dort, wo ich mir mein Leben eingerichtet habe – mit Beruf, Wohnung, Freunden, Familie, Kindern, Hund & Katz? Heimat im Sinne von Heimatgefühl – immer positiv besetzt! So schlecht können die Erinnerungen gar nicht sein, dass sie der Heimat etwas anhaben könnten.
Oder ist Heimat in uns? In Form von Grundvertrauen vielleicht? Dann ist es egal, wo ich bin und kann in mühevolleren Zeiten darauf zurückgreifen. Oder braucht es Heimat im Außen, die dabei hilft, eine innere Heimat (wieder) zu finden? Ist Heimat Herzensheimat? – in der Begegnung mit Menschen vielleicht, die eigentlich fremd sind und uns doch auf eigenartige Weise vertraut? Hat Heimat also auch mit Vertrauen zu tun? Oder ist Heimat schon eine Stimme? Ein Geräusch? Eine Tageszeit gar mit speziellen Lichtverhältnissen?

Oder ist Heimatgefühl der Duft des Tannerhof-Lesezimmers, wie er das auf unerklärliche Weise für mich ist. Woher kommt das „egal was passiert, hier kann mir nichts passieren – Gefühl“? Das gibt es nicht nur - und für viele Menschen immer weniger - dort, wo sie aufgewachsen sind. Auch das ist wahrscheinlich Heimat: das Gefühl von Schutz und Geborgenheit an einem bestimmten Platz. Oft allerdings wird Heimat auch der Ort sein, wo das Herz weh tut – denn bei jeder neu gefundenen geografischen Heimat, gibt es eine, die ich verlassen habe. Oder war das dann nicht eher nur ein Zuhause?

Vermutlich gibt es einfach mehrere innere und äußere ‚Heimate‘ für jeden Menschen, vielleicht da wo die Seele ist, oder schon mal war.

Es ist schön, dass der Tannerhof gelegentlich Heimat sein kann – für seine Gäste, aber auch für manchen Mitarbeiter, dem gewiss das Herz in der ehemaligen Heimat noch weh tut. Aber das ist dann vielleicht schon wieder die Sehnsucht.

Sehnsucht nach dem Tannerhof gibt’s aber auch…

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