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THFC Boxen & Fasten. Ein Bericht in 12 Runden

Text: Romy v. Mengershausen

17. April 2019  |  Yvonne Aschoff  |  0

1. Runde: Der Raum

Der holzvertäfelte Saal bot in der vergangenen Woche einen ungewohnten Anblick. Der Bechsteinflügel war in die hinterste Ecke verbannt worden, drei schwarze Sandsäcke baumelten an Halterungen und ein großer Teil des Raumes wurde durch einen Boxring eingenommen, überblickt von den schwarz-weiß Porträts der Künstler*innen an den Wänden und über allem schwebte die kleine Sonne.

Die Sandsäcke und der Ring mit seinen rot-weißen, blau-weißen Seilen fügten sich ein, als wäre der Saal nie etwas anderes gewesen, als ein Boxing Gym.

2. Runde: Happy Glauber an der Bar

Wir waren zu fünft, die wir das Boxen & Fasten ausprobierten. Unterschiede gab es in Alter, Fitnesslevel, Lebenswelten. Etwas hatten wir gemeinsam - wir hatten alle schon einmal gefastet.
Wie das so ist, wenn man mit fremden Leuten eine kurze, intensive Zeit verbringt und es irgendwie klickt, lernt man von- und übereinander, nie alles, aber doch genug, um sie zu vermissen, wenn es vorbei ist. Und wie könnte man sich nicht näher kommen, wenn man gemeinsam das Glaubersalz an der Bar kippt, sich dann alle verstreuen, wohlwissend, dass uns die nächsten paar Stunden erstmal das Gleiche erwartet.

3. Runde: Hand-Auge-, Hand-Fuß-, Hand-Verdammt!-Koordinationstraining

Zu Anfang kommt die Frage, ob man jemals wusste, wie man diesen Arm oder Fuß bewegt.
Wie es sein kann, dass man es nicht schafft, diesen Tennisball, wie man will.
Dass dieser Tennisball so viel mehr eigenen Kopf zu haben scheint.
Aber „niemals ärgern!“, wie der Trainer sagt.
Und man versucht sich nicht zu ärgern, ärgert sich aber doch ein bisschen, denn so ist das nun mal.

Doch dann passiert das Schöne, man lernt. Und man merkt auch noch, dass man lernt, was selten genug bewusst geschieht. Und man denkt sich: Toll! Und dann verliert man den Ball doch wieder, aber „niemals ärgern!“, wie der Trainer sagt. Und man versucht sich nicht zu ärgern, ärgert sich aber doch ein bisschen, denn so ist das nun mal.

4. Runde: Tür auf, eine*r raus, eine*r rein, Nächste*r für den Einlauf sein

Montag, Mittwoch und Freitag sind Einlauf-Tage. An diesen Tagen ist der Wartebereich vor der Therapierezeption von neun bis zehn Uhr gut gefüllt. Und immer wieder schallt es von unten: „Der Nächste für den Einlauf bitte!“ herauf. Daraufhin erhebt sich eine Person, nickt den anderen knapp zu, die vielleicht noch ein „Viel Spaß!“ wünschen und steigt die Treppen hinab.

5. Runde: Ausdauertraining

Eine tägliche Sporteinheit war Ausdauer. Die bestand meistens aus einer Runde Laufen/Joggen oder Walken am Morgen. Es stand aber auch etwas anderes auf dem Plan: Schneeschuhwandern oder Barfußanstieg zu Tanneralm (400hm). Daraus wurde einmal mit (zu kalt), einmal ohne Schuhe. Da der Weg im letzten Drittel irgendwann auf die Nordseite des Hanges wandert, hat sich der Schnee dort hartnäckig gehalten und um das zu meiden, machten wir einen kleinen Abstecher, fanden dort mitten im Wald einen guten Ort für ein Gruppenfoto und stellten uns bei der Aufnahme etwas an, da ja alle mit drauf sein sollten. Da meinte eine der Teilnehmerinnen trocken: „Warten wir eben, bis jemand vorbeikommt und fragen, ob der uns fotografieren kann.“

(Und wenn nicht jemand vorbeigekommen ist, stehen sie immer noch im Wald.)

6. Runde: Tischgespräche

Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.Essen.

7. Runde: Eine Liebeserklärung an das Zirkeltraining

Manche sagen, der Kreis sei die vollkommenste Form. Soweit würde ich nicht gehen, einfach weil es nicht um Vollkommenheit gehen sollte. Dann ist da noch die Frage nach dem Anfang bzw. Ende, die sich stellt. Die man sich ab einem gewissen Punkt im Zirkeltraining auch stellt. Und stellt. Und stellt. Bei jeder neuen Station, bis man wieder bei der ankommt, bei der man angefangen hatte, doch dort ist noch kein Ende. Nein, das Ende des Kreises bestimmt der Trainer. Kommt, nur noch ein Durchgang!

8. Runde: Fasterhirn, das

Phänomen während des Fastens, das darauf beruht, dass das Gehirn sich im Vergleich zum Rest des Körpers etwas schwerer tut mit der Umstellung des Stoffwechsels auf Fettsäuren. Dadurch kann es in der Anfangszeit des Fastens sein, dass das Gehirn etwas langsamer funktioniert als üblich, man vergesslich ist und Dinge durcheinander bringt.
Da kann es schon passieren, dass zwei „im Sandsack“ kämpfen sollen, was sich als schwierig herausstellte, nicht nur aus Platzgründen.

9. Runde: Basics – Technik – Analyse

Blind auf die Sandsäcke einprügeln, kann man schon, bloß ist es nicht unbedingt zielführend. Möchte man wirklich und vor allem nachhaltig etwas lernen, fängt man langsam an: Wie stehe ich, wie gehe ich, wie ist meine Haltung, wenn ich nicht schlage, wie, wenn ich schlage, Unterschiede zwischen rechts und links, wie sollte sich der Rest des Körpers mitbewegen? Und was tut er tatsächlich? Oftmals ist es hilfreich,  sich selbst zu beobachten, während man all dies versucht. Da der Saal aber leider nur Holz- und keine Spiegelwände hatte, wurden Videoaufnahmen gemacht, die wir gemeinsam ansahen und analysierten.

10. Runde: Highlights : Iss-den-Apfel und Hau-den-Trainer

Folgendes lernten wir: Wie gut so ein Apfel schmecken kann.
Außerdem: Wie lang drei mal drei Minuten sein können. Das war die Zeit, die wir im Ring zum Sparring-Kampf mit Tim Yilmaz verbrachten. Drei Runden à drei Minuten mit einer Minute Pause dazwischen. Hört sich erstmal nicht viel an, doch die Fotos sprechen Bände. Hochrote Köpfe, verschwitzte T-Shirts, pumpende Lungen.

11. Runde: Kombination Fasten und Boxen

Geht super. Und wenn’s mal nicht super geht, gibt es die Möglichkeiten des legalen Dopings mit Honig, Espresso und Zitrone. So in Kürze. In Länge siehe oben.

12. Runde: YEAH.

In den Worten eines Teilnehmers: „Diese Woche wird Spuren hinterlassen.“

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