Masako Ohta, Poetry Album, Foto Winter & Winter

Masako Ohta 'Poetry Album'
Donnerstag, 19. Juli 2018 | 20:30 Großer Saal

Hinter jedem Werk verbirgt sich eine — manchmal geheime, manchmal viel zu kurze, manchmal lebenslange — Liaison. Das wohl bekannteste Stück stammt aus der Feder von Beethoven, aber möglicherweise heißt es in Wirklichkeit nicht “Für Elise”, sondern “Für Therese”. Im Alten von 40 Jahren verliebt sich Ludwig van in die 19-jährige Therese Malfatti… Johann Sebastian Bachs “Prelude und Fugue C-Dur” ist seiner großen Liebe Anna Magdalena gewidmet. Komponisten schreiben musikalische Gedichte. Was geschieht zwischen Johannes Brahms, ein enger Freund und Helfer der Schumann Familie, und Clara, deren Mann Robert Gesundung im Sanatorium sucht? Wie klingen Clara und Robert Schumanns sowie Johannes Brahms Kompositionen? Die musikalische Reise der Werke geht durch die Jahrhunderte. György Kurtág nennt seine Widmung einfach “Hommage à Kurtág Marta”. “Poetry Album” stellt Kompositionen für Klavier aus der Feder von Takemitsu bis Bach vor, aufgenommen auf einem C. Bechstein Konzertflüge an einem Wochenende im Herbst 2017 im Waldhaus Grandsberg, ein Ort geschaffen für intime Musik.

Die japanische Pianistin Masako Ohta widmet sich der klassischen und Neuen Musik. Ihr Klavierstudium absolviert sie an der Toho Gakuen School of Music, der Universität der Künste Berlin, wie auch bei György Sebök, András Schiff und György Kurtag. Masako Ohta beschäftigt sich intensiv mit der Poesie der Klänge aus Japan und Europa, zusammen mit dem Produzenten Stefan Winter sucht sie die musikalischen Widmungen für „Poetry Album“ aus. Masako Ohta lebt in München und tritt vor allem als Solistin auf.

Aus dem Programm

György Kurtág
Játékok: Hommage à Farkas Ferenc 4 [Szerelem, szerelem, játkozott gyötrelem… , Adoration, adoration, accursed desolation… , Liebe im Herzen, bittere Schmerzen…]
Seit 1973 komponiert György Kurtág Werke, die in der fortlaufenden Sammlung Jatékók (Spiele) veröffentlicht werden. Diese Komposition ist seinem Lehrer Farkas Ferenc gewidmet und offenbart eine innere Reise im Wechselbad der Gefühle.

François Couperin
Rondeau: Les Bergeries
Nicht alles, was in Anna Magdalenas Notenbüchlein steht, stammt aus der Feder von ihrem Mann Johann Sebastian Bach. Bach hat dieses Rondeau von François Couperin, dem heute berühmtesten Vertreter der Couperin-Familie, für Anna Magdalena ausgewählt und in ihr Übungsheft kopiert. Dieses Clavier-Büchlein, bestehend aus zwei Notenheften, offenbart eine Sammlung von Werken für Tasteninstrumente, die Bach für seine Frau und Sängerin geschaffen hat. Es ist nur fragmentarisch erhalten und wird in der Staatsbibliothek Berlin aufbewahrt.

Johannes Brahms
Intermezzo Op. 119 No 1
1893 schreibt Brahms, im Alter von 60 Jahren, in einem Brief an die vierundsiebzig-jährige Clara Schumann: „Ich bin in Versuchung, Dir ein kleines Klavierstück abzuschreiben, weil ich gern wüsste, wie Du Dich damit verträgst. Es wimmelt von Dissonanzen! Diese mögen recht sein und zu erklären - aber sie schmecken Dir vielleicht nicht, und da wünsche ich, sie wären weniger recht, aber appetitlich und nach Deinem Geschmack. Das kleine Stück ist ausnehmend melancholisch, und 'sehr langsam zu spielen' ist nicht genug gesagt. Jeder Takt und jede Note muss wie ritard. klingen, als ob man Melancholie aus jeder einzelnen saugen wolle, mit Wollust und Behagen aus besagten Dissonanzen! Herr Gott, die Beschreibung wird Dir Lust machen!“ Clara antwortet: „...Melancholie… wie graue Perlen“.

Clara Schumann
Romanze Op. 11 No. 1
Im Jahr 1840 – über fünfzig Jahre früher — heiratet gegen den Willen ihres (Über-)Vaters Friedrich Wieck Clara Wieck im Alter von 20 Jahren ihre große Liebe Robert Schumann und widmet ihm diese Komposition.

Johann Sebastian Bach
Prelude I C-Dur, Fugue I C-Dur, BWV 846
Im Juli 1721 kommt Anna Magdalena als Sopranisten an den Köthener Hof und lernt Johann Sebastian Bach kennen und lieben. Am 3. Dezember 1721 feiern sie Hochzeit. Prelude und Fugue eröffnen den ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers, einer Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrumente, die auch in Anna Magdalenas Notenbüchlein zu finden ist.

Arvo Pärt
Für Alina - Ruhig, erhaben, in sich hineinhorchend
Nachdem eine mit Arvo Pärt befreundete Familie zerbricht, die Tochter Alina mit ihrem Vater nach England geht und die Mutter allein zurückbleibt, widmet Pärt dieses Stück der achtzehnjährigen Tochter. Part wünscht sich mit dieser Komposition der alleingelassenen Mutter, die ihre Tochter Alina vermisst, Trost und Hoffnung zu schenken.

„Für Alina“ ist das Werk, mit dem Pärt 1976 sein fast zehnjähriges kompositorisches Schweigen beendet. Er findet den „tintinnabuli”-Stil (lateinisch tintinnabulum: Klingel, Schelle, Glöckchen), seine neue Klangwelt mit ihrer schlichten, an Sekunde und Dreiklang orientierten Stimmführung und ihren einfachen, klaren Zahlenverhältnissen.

Pärt schreibt in der Werkseinführung: „Ich könnte meine Musik mit weißem Licht vergleichen, in dem alle Farben enthalten sind. Nur ein Prisma kann diese Farben voneinander trennen und sichtbar machen; dieses Prisma könnte der Geist des Zuhörers sein.“

Maurice Ravel
Sonatine - I Modéré, II Mouvement de Menuet, III Animé
Maurice Ravel widmet dieses Komposition seinen Freunden Ida and Cipa Godebski.

Toru Takemitsu
Pause ininterrompue – Slowly, sadly and as if to converse with/Quietly and with a cruel reverberation/A song of love
Der Titel „Pause ininterrompue“ („ununterbrochene Ruhezeit“) von Toru Takemitsus gleichnamigen Klavierwerk entstammt dem Gedichtzyklus „Distanz der Elfen“ des japanischen Lyrikers, Literaturkritikers und Malers Shuzo Takiguchi. Takiguchi (1903-1979) trägt dazu bei, dass Ende der 20er Jahre der Surrealismus in Japan bekannt wird. „Pause ininterrompue“ birgt in sich eine Vielzahl von surrealistischen Bildern: „Die Winde, hockend auf kahlem Zweig, gewöhnen sich an spärliches Licht“ / Immer / Gleich schweigender Spiegel auf dem Berg“. Der erste Satz „Slowly, sadly and as if to converse with“ entsteht 1952, während die weiteren zwei Sätze sieben Jahre später 1959 komponiert werden. Shuzo Takiguchi inspiriert Toru Takemitsu Komponist zu werden. Mit „Pause ininterrompue“ dankt und ehrt er Takiguchi für sein Werk.

Ludwig van Beethoven
Für Elise, WoO 59
Der Beethoven-Forscher Max Unger bezweifelt die Widmung „Für Elise“, da es im Jahr 1810, als dieses Werk entsteht, im näheren Umfeld von Ludwig van Beethoven keine Frau namens Elise gibt. Wahrscheinlich, so glaubt Unger, trägt das Stück den Namen „Für Therese“. 1810 macht Beethoven der neunzehnjährige Therese Malfatti einen Heiratsantrag, doch sie lehnt diese Hochzeit ab. Beethoven reagiert betroffen: „Deine Nachricht stürzte mich aus den Regionen des höchsten Entzückens wieder tief herab.“

György Kurtag
Játékok: Hommage à Kurtág Márta
György Kurtag, 1926 geboren, ist seit 1947 – seit nunmehr 70 Jahren – mit der Pianistin Márta Kurtág, geb. Kinsker, verheiratet. Das Ehepaar Kurtag konzertiert auch als Klavierduo.

Robert Schumann
Op. 56 (Sechs Stücke in kanonischer Form): No. 2 Mit innigem Ausdruck
Der erste Kontakt mit der Musik Bachs eröffnet sich für Robert Schumann in seiner Heimatstadt Zwickau durch seinen dortigen Lehrer und Organisten an der Marienkirche, Johann Gottfried Kuntsch. Es kann kein Zufall sein, dass er sich 1845, mehr als ein Jahrzehnt später, wieder an Kuntsch erinnert und ihm seine Stücke in kanonischer Form Op. 56 widmet. Dennoch stellt Op. 56 insofern eine außergewöhnliche Seltenheit dar, als die Stücke, die Claude Debussy später für zwei Klaviere einrichten wird, auf einem Instrument, aber mit drei Händen gespielt werden: Schumann lebt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr allein. Clara, seine Liebe, teilt von jeher mit ihm die Leidenschaft für Bach.

Rezensionen

Münchner Feuilleton | Kulturvision

Masako Ohta am Tannerhof

Donnerstag, 19. Juli 2018 | 20:30 Uhr | Großer Saal
Sonntag, 22. Juli 2018 | 11:00 Matinee | Großer Saal
Eintritt: €22 Abendkasse (€18 VVK)
Anmeldung: hofkultur@tannerhof.de | info@tannerhof.de | Tel. 08023.810

Von Masako Ohta lernen

Ganzheitliches Klavierspiel mit T'ai Chi und Kalligraphie: Workshop am Tannerhof vom 13. bis 15. Juli 2018!

Über die Pianistin Masako Ohta

Die aus Tokio stammende Pianistin und Performance-Künstlerin Masako Ohta ist – sowohl solistisch als auch kammermusikalisch – im Bereich der klassischen und Neuen Musik sowie der Improvisation aktiv.

Ihr Klavierstudium absolvierte sie an der Tokioter Musikuniversität Toho Gakuen School of Music und an der Hochschule (Universität) der Künste Berlin bei Erich Andreas und György Sebök. Zudem besuchte sie Meisterkurse bei András Schiff und György Kurtág.
Sie wirkte u.a. bei „Festspiel plus“ der Bayerischen Staatsoper, dem International Art Festival in Mexiko, dem Kurt Weill Festival in Dessau und Berlin, John Cage Festival in Ravensburg 2012 sowie dem Infektion! Festival für Neues Musiktheater vom Staatsoper Berlin 2017 mit.

Ihre intensive Beschäftigung mit Poesie, Klang und Musik aus Japan, Europa und anderen Kulturkreisen führt zu reger Zusammenarbeit mit SchauspielerInnen, TänzerInnen, DichterInnen, Bildenden KünstlerInnen und WeltmusikerInnen. Sie kreiert eigene oder partizipiert an kollektiven Tanz- und Theateraufführungen sowie interkulturellen und interdisziplinären Projekten. Auch konzipiert und realisiert sie eigene Konzertreihen, darunter die Klaviersoloprogramme „Phantasiestücke“, „Wurzeln und Flügel“ und „Kammermusik – GEN“.
2016 war sie Trägerin des Giesinger Kulturpreises.

Die Arbeit von Masako Ohta ist in zahlreichen Rundfunkproduktionen u.a. beim Bayerischen Rundfunk, Hessischen Rundfunk, Südwestrundfunk und RIAS Berlin dokumentiert, etwa mit Musik von Mozart, Debussy, David Monrad Johansen, Bruno Maderna oder Karl Bohrmann.

Nach den mit Udo Schindler und anderen Musikern aufgenommenen CDs „Ohenrosan“ (Pilgrims of Sound) und „Botenstoffe“ (Confront Recordings) erscheint im Februar 2018 auf dem Label Winter&Winter ihr „Poetry Album“, ein solistisches Konzeptalbum mit ausgewählten Klavierstücken verschiedener Epochen.

Als Diplom-Klavierpädagogin unterrichtet und gibt sie Meisterkurse für Klavier und
 Kammermusik. In ganzheitlichem Geist verbindet sie in ihrem Unterricht pianistische Schulung mit japanischer Kalligraphie. Sie lebt und arbeitet seit 1985 in Deutschland, zuerst in Berlin und seit 1988 in München.

www.masako-ohta.de

Wann

19. 07. 2018

Wo

Tannerhof Großer Saal

Personen

mit Masako Ohta

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