Wie bist Du zum Coaching gekommen – und was treibt Dich heute an?
Ich habe Psychologie studiert und die letzten 20 Jahre alles an Ausbildungen gemacht, worauf ich Lust hatte. Zum Beispiel habe ich eine positive Psychologie-Ausbildung, eine Systemische Therapie Ausbildung, den Sport- und Mentaltrainer, Yogalehrer und Hypnotherapeuten absolviert. Bevor ich mich als Psychotherapeutin (HP) selbstständig gemacht habe, war ich international als Leadership-Consultant tätig und habe Führungskräfte-Coachings sowie internationale Workshops geleitet. Parallel dazu war ich als Dozentin an verschiedenen Universitäten unterwegs. Dann habe ich mich entschieden, noch tiefer in den klinischen Bereich einzutauchen, und war vier Jahre an verschiedenen psychosomatischen Kliniken tätig.
All die Erfahrungen geben mir heute einen differenzierten Blick. Vor allem aber habe ich festgestellt, dass ich sehr gut Impulse geben kann in Richtung: Ich baue mir das schönste, stimmigste, authentischste Leben, was ich haben kann. Also ich bin eher dafür da, dir einen Impuls zu geben, damit du es wieder zu deinem Leben machst und deine Stärken bespielst, als dass wir um deine Schwächen herumkreiseln. Das entspricht einfach mehr meiner Art.
Ich würde sagen, mein Ziel ist es, dir maximale Präsenz ohne Vorbehalte und einen authentischen Gegenüber, fernab vom „Psychologen“-Stereotyp, zu schenken. Statt Schubladendenken erhältst du einen geschützten Raum, in dem du dir selbst wieder näherkommen kannst.
Ich baue mir das schönste, stimmigste, authentischste Leben, was ich haben kann.


Welchen Menschen begegnest Du in Deinen Sitzungen? Gibt es Menschen, denen Du es eher empfehlen würdest, zu einem psychologischen Coaching zu gehen?
Ich merke, dass ich viele feinfühlige Menschen anziehe, die den Kontakt zu ihrer Intuition verloren haben und ihn wieder suchen. Ich bin selbst sehr feinfühlig und spüre, was im Körper des anderen passiert, und kann spiegeln, was der andere selbst oft nicht mehr wahrnimmt. Das ist sehr wertvoll, weil ich dann als Brücke fungieren kann und helfe, das Gefühl wieder selbst zu erkennen. Außerdem bin ich ein sehr guter Sparringspartner, wenn man seine Gedanken sortieren oder zum Beispiel aus Grübelschleifen ausbrechen und eine wichtige Entscheidung um eine Außenperspektive ergänzen möchte.
Am Tannerhof passen alle Gäste sehr gut zu meiner Herangehensweise. Ich finde prinzipiell, dass es immer guttut, sich von außen einen Impuls, eine andere Perspektive zu holen. Ich gehe ja selbst regelmäßig in Supervision. Es muss kein großes Thema sein – manchmal reicht es, jemanden zu haben, der einen anderen Blick darauf hat und versteht, was gerade im Hirn passiert und warum man sich selbst gerade im Weg steht.
Wie gehst Du an Sitzungen heran?
Ich beginne oft damit zu fragen, woran die Person merken würde, dass sich unser Gespräch für sie gelohnt hat. In meinen Sitzungen gehe ich davon aus, dass wir auf Augenhöhe sind. Es ist ein Gespräch unter Experten, wobei der Klient der Experte ist für sein eigenes Thema und seine Welt. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen. Ich komme ja aus der positiven Psychologie und systemischen Psychotherapie. Die Positive Psychologie fragt nicht nur: ‚Was war schwer?‘, sondern auch: ‚Wie hat dich das stärker gemacht?‘ Sie verbindet Selbstmitgefühl mit Stärkenorientierung. Dazu kommt der systemische Blick: Wie ein Mobile – wenn ich eine Stelle verändere, bewegt sich das Ganze. Besonders schön sehe ich das bei Eltern: Wenn sie an sich arbeiten, wird das Leben ihrer Kinder leichter – und das wirkt weiter, bis in die nächste Generation.
Es ist ein Gespräch unter Experten – und der Klient ist der Experte für seine eigene Welt.


Gibt es bestimmte Methoden oder Rituale, die Du besonders schätzt?
Meine Methodenvielfalt nutze ich flexibel: Je nach Bedarf arbeite ich mit systemischen Aufstellungen, Seilen (zum Beispiel, um Grenzen oder Verbindungen sichtbar zu machen) oder greife auf klassische Coachingtools zurück. Rollenspiele kommen bei mir nie zum Einsatz.
Ich baue gerne die Neuropsychologie ein, um zu erklären, was das Verhalten antreibt. Etwa wie Dopamin uns steuert oder warum man zum Beispiel in den Wechseljahren oder bei hormonellen Mängeln bestimmte Verhaltensmuster entwickelt.
Und ganz oft geht es darum, wie man sich eine Routine aufbauen kann, die dafür sorgt, dass man sich hirngerecht verhält – und sich so das Leben leichter macht. Das erlebe ich in meinem eigenen Leben als sehr wertvoll. Ganz oft ist es die Frage: Wie kann ich den Tannerhof mit nach Hause nehmen, weil es mir hier so gut geht? Welche Routine dient mir im Alltag, damit ich so gut mit mir in Kontakt bleibe? Hierbei greife ich dann ergänzend gerne in die Biohacking-Trickkiste.
Und auf Wunsch können die Sitzungen auch spontan draußen bei Sonne und Bergblick oder während eines Spaziergangs stattfinden – das schafft oft eine andere Qualität, weil Bewegung und Natur den Prozess unterstützen.
Gibt es Momente, die häufig vorkommen?
Es ist ganz oft, dass die Gäste sich selbst unbewusst die Antwort auf ihr Thema geben. Sie erzählen mir etwas, und zack, da ist die Antwort für ihr Thema schon drin. Dann sage ich: „Du, hast du dir gerade selbst zugehört?“ – und wiederhole, was sie gesagt haben.
Dadurch, dass ihnen jemand gegenübersitzt, der nicht wertet, können sie authentisch sein. Und weil sie ganz authentisch mit mir sprechen, achten sie irgendwann nicht mehr auf die Worte oder zum Beispiel darauf, wie sie sich nonverbal verhalten. Das schafft den Rahmen, um rauszulassen, was gehört werden muss – und so kommen sie sich oft selbst auf die Schliche.
Wie komplementiert sich Dein Coaching-Ansatz mit dem Ort Tannerhof?
Das psychologische Coaching bietet die beste Fastenbegleitung, die es gibt. Beim Fasten kommt man so viel tiefer mit sich selbst in Kontakt, und dann jemanden an der Seite zu haben, der eine Außenperspektive einbringt und beim Gedankensortieren hilft – das ist ein echtes Geschenk.
Viele fragen sich zunächst: „Was soll eine Stunde bringen?“ Doch durch die besondere Atmosphäre am Tannerhof – rausgenommen aus dem Alltag, mit Raum, um das Erlebte wirken zu lassen – können schon ein oder zwei Sitzungen unglaublich viel bewirken. Ich höre oft, dass diese Begleitung mehr gebracht hat als eine Therapie zu Hause, die zwischen Alltagsverpflichtungen stattfindet. Und ein weiterer großer Unterschied liegt darin, dass hier nicht nur der Kopf, sondern der ganze Körper mit einbezogen wird.
Die Gäste geben sich oft selbst die Antwort. Dann frage ich: Hast du dir gerade zugehört?
Wenn Klienten zu mir kommen, schlage ich oft vor: „Kraniosakraltherapie wäre eine gute Idee“ – und sie gehen dann hin, um körperlich noch einmal aufzuräumen. Auch die Verbindung mit Yin-Yoga ist wunderbar, besonders für Menschen mit einem sehr agitierten, sympathikotonen Nervensystem. Dann kann ich sagen: „Gehen Sie mal ins Yin-Yoga und beobachten Sie, was passiert. Oder probieren Sie die Atemtherapie aus und schauen Sie, was das mit Ihnen macht.“
Andere bringen Bilder mit, die sie in der Kunsttherapie bei Nele gemalt haben, und wir sprechen über die Kunst oder darüber, wie sie ihren eigenen Anspruch regulieren können. Die Kombination aus Kunsttherapie und psychologischem Coaching finde ich besonders wertvoll.


Du hast hier am Tannerhof das Format „Heldinnenzeit“ ins Leben gerufen – ein viertägiges Coaching-Retreat. Wie kam es zu diesem besonderen Angebot, und was macht es so besonders?
Das Format entstand, weil ich als Positive-Psychologie-Trainerin über mehrere Ausbildungstage hinweg Teilnehmern diese Inhalte beigebracht habe. Auch bei den Führungskräfte-Workshops waren es immer ganze Tage – und es waren sehr lange Workshoptage mit viel Input, viel Sitzen und wenig Raum für sich. Dabei habe ich gesehen, was das mit den Teilnehmern gemacht hat, wie sie leichter und gewachsen und gestärkt rausgegangen sind.
Gleichzeitig habe ich aus der systemischen Therapie gelernt, wie viel man über sich selbst in der Gruppe erfährt. Da ich selbst introvertiert bin und keine Lust auf klassische Gruppenaktionen oder gar Rollenspiele habe, führte all das dazu, dass „Heldinnenzeit“ zu einer sehr introvertiertenfreundlichen Gruppenaktion wurde: 8–12 Heldinnen, die zusammen essen und gemeinsam eineinhalb Stunden Workshop pro Tag haben – und der Rest ist frei. Das schafft einen sehr wertschätzenden, stärkenden Raum mit der Einladung, die Zeit so zu gestalten, dass sie einem individuell so richtig guttut.
Der Moment, in dem wir aufhören, uns selbst zu geißeln – das ist der Rückenwind.
Wie kamst Du auf den Begriff „Held*in“?
Das ist das Gefühl, das ich mir für die Leute wünsche, wenn sie rausgehen: dass sie zur Heldin oder zum Helden in ihrem eigenen Leben werden – und ein bisschen mehr mit sich selbst im Reinen sind.
Du beschreibst Dein Coaching mit ‚spürbarem Rückenwind‘. Woher kommt dieses Bild und was bedeutet es für Dich?
Ich beobachte, dass wir alle sehr streng mit uns sind. Irgendetwas funktioniert nicht, und wir geben uns erstmal selbst die Schuld. Aber sobald ich verstehe, warum ich mich so verhalte – etwa, weil mein Hirn Dopamin will oder ich mich mit Übergewicht zum Beispiel vor Übergriffen schütze –, beginne ich, mehr Selbstmitgefühl zu entwickeln. Der Moment, in dem wir aufhören, uns selbst zu geißeln, und stattdessen fragen: ‚Wie hat mich das zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, und welche Fähigkeiten schenkt mir das jetzt?‘ – das ist der Rückenwind. Plötzlich wird alles weicher, die Intuition kommt zurück.
Ich möchte den Menschen Raum geben, in dem sie sich selbst wieder begegnen können. Das ist mein Ziel. Eigentlich schenke ich einen Resonanzraum, wo man sich selbst im Kontakt wieder ein Stückchen näherkommt – und erleben darf, dass authentischer Kontakt etwas sehr Nährendes ist.







