Die Seebergrunde - eine meiner Lieblings­wanderungen
Der Seeberg. Der Berg, der auf der anderen Talseite gegenüber dem Tannerhof aufragt. Der Grund für nur vier bis fünf Sonnenstunden im Winter. Der Berg, dessen Namen mich seit Kindheit verwundert, denn wo bitte ist denn der See? Dem Berg, dessen Ruf nicht zuträglich war, dass wir in der Grundschule hinaufmussten.
Das ist jetzt anders. Wenn ich nach längerer Abwesenheit wieder nach Bayrischzell zurückkehre, ist der Seeberg mit Vorliebe einer der ersten Berge, die ich besteige. Zum Hallo-ich-bin-wieder-da-Sagen, für den Überblick, die Bestandsaufnahme, was ist neu, was ist gleich, sind alle Berge, wo sie hingehören?
Der Weg beginnt am Minigolfplatz,
Beschilderung Richtung Seeberg. Von der Tannerhofhaustür ist man dort innerhalb einer Viertelstunde zu Fuß, oder wer sich verabredet hat und spät dran ist, kann auch mit dem Rad oder dem Auto fahren. Ein Wanderparkplatz ist vorhanden (5 €/Tag , frei mit der Gästekarte).
Den ersten Teil der Wanderung steige ich direkt über Bayrischzell auf. Wenn die Sicht frei ist, erhasche ich durch die Bäume hindurch immer wieder Blicke ins Tal, während ich auf dem Pfad gut Höhenmeter mache. Nach ungefähr einer halben Stunde lasse ich die schattige Nordflanke gen Osten hinter mir und Bayrischzell verschwindet außer Sicht. Nun mit dem Kleinen und Großen Traithen links von mir ins Blickfeld gerückt folge ich dem Weg, durch stellenweise relativ jungen Wald, wo vor Jahrzehnten ein heftiges Sturmtief ganze Teile umgemäht hatte; vorbei an der Stelle, wo uns als Grundschulkindern von unserem Klassenlehrer die Einbeere gezeigt und uns ihre Giftigkeit eingebläut wurde, vorbei an der spärlich tröpfelnden St. Joseph Deliciusquelle, erreiche ich schließlich das Gatter zur Weide und weiß, die Neuhütte ist nicht mehr weit.
Ewig könnte ich hier schauen
Die Hütte erreicht, lasse ich mich kurz nieder bei dem Hinkelstein „Auf der Wacht“ und dem Bankerl davor. Eine Tafel an dem Stein erinnert an die Gebirgsschützen während der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Tirol und Bayern in den Jahren 1805-1809. Man kann sich gut vorstellen, dass sie hier einen Wachtposten stationiert hatten. Vor mir erstreckt sich das Ursprungtal: Mit dem hellen Schlängeln der Straße, den saftgrünen Wiesen und dem beruhigend dunklen Wald, der sich die Hänge hinaufzieht, den auslaufenden Bergfüßen, die sich ineinander verschränken bis in den Fluchtpunkt. Ewig könnte ich hier schauen. Und doch muss ich weiter. Der Seeberg ruft.
Von der Neuhütte folge ich dem blau markierten Pfad, der mit angenehmer Steigung an der Südseite des Berges verläuft. In der Ferne erblicke ich kurz die Hochebene mit der Niederhofer- und Klarer Alm, über die mich meine Wanderung noch bringen wird. Wolkenumspielt, mal klar zu sehen, mal umrisshaft, bieten mir Ruchenköpfe, Rotwand und Hochmiesing ein Schauspiel, während ich flotten Schrittes zu den Seebergalmen gelange.
Dort halte ich mich nach dem Steinmäuerchen rechts. Graduell wird der Weg wieder steiler, waldiger, wurzliger. Durch die Bäume hindurch kann ich den Himmel sehen wie ein Versprechen, das sich bald erfüllt. Nach zwei Stunden Gehen und 800 Höhenmeter liegt sie vor mir: die kahle Krone des Seebergkopfes. Noch einige Meter bis zum Gipfelkreuz, dort atme ich die Aussicht ein.
Hier im Tal ist der Blick frei, an ein paar Hängen kleben Wolkenfetzen fest.
Genau gegenüber erhebt sich der Wendelstein. Im Osten bekommt man eine Idee von den Bergen hinter den Bergen. Und von den Bergen hinter den Bergen hinter den Bergen. Perspektive eines Vogels auf Bayrischzell. Da ist der Tannerhof. Es leuchtet das Dach der Alten Tann, und der Türme, und als Neuzuwachs schmiegt sich die Badeharpfe an den Hang. Meine Augen folgen den Straßen, den bekannten Wegen durch das Dorf, die von hier oben lachhaft kurz erscheinen. Folgen der Alpenstraße nach Osterhofen und Geitau, bis sie in Richtung Schliersee und Fischbachau verschwindet. Autos klein und geschäftig wie Ameisen. Über dem Flachland sammeln sich die Wolken. Ich nicke zufrieden, alles da.
Weiter.
Die Hütte erreicht, lasse ich mich kurz nieder bei dem Hinkelstein „Auf der Wacht“ und dem Bankerl davor. Eine Tafel an dem Stein erinnert an die Gebirgsschützen während der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Tirol und Bayern in den Jahren 1805-1809. Man kann sich gut vorstellen, dass sie hier einen Wachtposten stationiert hatten. Vor mir erstreckt sich das Ursprungtal: Mit dem hellen Schlängeln der Straße, den saftgrünen Wiesen und dem beruhigend dunklen Wald, der sich die Hänge hinaufzieht, den auslaufenden Bergfüßen, die sich ineinander verschränken bis in den Fluchtpunkt. Ewig könnte ich hier schauen. Und doch muss ich weiter. Der Seeberg ruft.
Von der Neuhütte folge ich dem blau markierten Pfad, der mit angenehmer Steigung an der Südseite des Berges verläuft. In der Ferne erblicke ich kurz die Hochebene mit der Niederhofer- und Klarer Alm, über die mich meine Wanderung noch bringen wird. Wolkenumspielt, mal klar zu sehen, mal umrisshaft, bieten mir Ruchenköpfe, Rotwand und Hochmiesing ein Schauspiel, während ich flotten Schrittes zu den Seebergalmen gelange.
Der Abstieg erfolgt zunächst auf demselben Weg bis zu den Seebergalmen. Dort halte ich mich vom Berg kommend rechts und gehe vor den Almen vorbei. Weil der Pfad hier zuerst nicht offensichtlich ist, sind großzügig blaue Punkte als Brotkrumen verteilt. Es geht hinab. Hinab durch lichte Fichten und Lärchen, bis der Steig auf einer Forststraße endet. Auf der geht es nun weiter bergab, während sich links Sicht auf die Hochebene, die ich schon beim Aufstieg zu den Seebergalmen gesehen hatte, eröffnet.
Die Straße beschreibt eine weite Kurve, und vorbei an der Klarer Alm komme ich an eine Wegkreuzung. Rechts hinab ginge es nach Geitau, ich wende mich nach links und durch das Gatter. Ich sehe das Wackbachtal entlang. In der Ferne grüßen zwei alte Bekannte: der Kleine und Große Traithen. Ein paar hundert Meter verweile ich noch auf dem Forstweg, doch bevor ich die Niederhoferalm erreiche, kreuze ich nach rechts über die Wiese, wo ein schmalerer Weg mich weiterführt. Bald lasse ich die Ebene hinter mir, kurve durch den feuchten Wald, bis ich über die kleine Metallbrücke den Bach Wackbach überschreibe.
Der Weg verschmälert zu einem Pfad. Auch das Tal wird enger, links geht es steil nach oben, wo irgendwo die Neuhütte über das Ursprungtal wacht. Rechts geht es steil nach unten, wo der Bach und die Zeit Becken in den Berg gewaschen haben. Sein Rauschen wird mich die Strecke hinab begleiten. Ich genieße die wildere Stimmung im Tal, sehe mal hinauf, mal hinunter, während mit jedem Schritt die Berge höher werden. Und wie irgendwann der Wackbach auf den Sillbach stößt und sie zum Aubach werden, der dann zur Leitzach wird, läuft irgendwann mein Pfad aus und trifft auf den breiteren Wanderweg, dem ich Richtung Bayrischzell folge. Das letzte Stück ist ein Hatscher, wie es das ungeschriebene Gesetz des Wanderns besagt: So anstrengend die Besteigung gewesen sein mag, am meisten zieht sich das letzte Stück des Weges. Es ist wie der Kater am nächsten Tag, es liegt immer am letzten Bier.
Doch auch der Hatscher findet sein Ende und ich erreiche das Kneippbecken und damit die Melkstatt. Nun kann ich mich entscheiden, ob ich den Weg direkt zum Tannerhof nehme oder ob ich zusammen mit dem Aubach, der nur nach starken Regenfällen oder nach der Schmelze wirklich Wasser führt, am Fuß des Seebergs entlang zum Parkplatz weitergehe. Der Anblick macht die Beine leichter.
Ich freue mich. Das war ein schöner Tag.
Rahmendaten der Tour
- Länge – ca. 15-16 km
- Höhenmeter – ca. 740 m
- Starthöhe – ca. 800 m ü. NN
- Seebergkopf – 1538 m ü. NN
- Zeit – ca. 4.5-5.5 Stunden
Gute Kondition, gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich.
Die erwähnten Almen sind unregelmäßig bewirtschaftet, deshalb entweder vorher bei der Gemeinde Bayrischzell erfragen oder eigene Verpflegung mitbringen.
Die Runde ist in beiden Richtungen begehbar.
Markierungen
- Einstieg - Neuhütte: Weg B2, Beschilderung Seeberg, Markierung rot-weiß-rot
- Neuhütte – Seebergkopf: Beschilderung Seeberg, Markierung blau
- Seebergkopf – Niederhofer-Alm: Beschilderung Niederhofer-Alm, Markierung blau
- Niederhoferalm – Bayrischzell: Beschilderung Bayrischzell (über Ursprungtal)