Wie war Dein Werdegang, wie bist Du zum Coaching gekommen?
Ich habe Betriebswirtschaft und später International Finance studiert und viele Jahre in Führungspositionen gearbeitet – zunächst im Controlling, später als CFO und Geschäftsführerin.
Besonders prägend war für mich die Zeit bei Sixtus. Dort ist mir wirklich alles Mögliche entgegengeflogen. Im Nachhinein bin ich dafür unglaublich dankbar, denn genau dort habe ich gelernt, wie Unternehmen, Menschen und Krisen wirklich funktionieren.
Irgendwann habe ich festgestellt, dass die größten Herausforderungen selten an Excel-Tabellen oder Strategiepapieren scheitern. Meistens scheitern sie an Kommunikation, an ungeklärten Rollen oder daran, dass Menschen Angst vor Veränderung haben.
Das hat mich zunehmend fasziniert. Während andere über Prozesse gesprochen haben, habe ich mich oft gefragt: Warum verhält sich jemand so? Warum funktioniert ein Team plötzlich nicht mehr? Warum kommen manche Menschen durch Krisen erstaunlich gut durch und andere nicht? Vermutlich hat dort auch mein Weg zum Coaching begonnen – lange bevor ich ihn so genannt habe.
Heute weiß ich, dass die Menschen, die mich am meisten weitergebracht haben, nicht immer die waren, die mir am meisten zugestimmt haben.
Seit vielen Jahren begleite ich deshalb neben meiner operativen Tätigkeit Menschen und Unternehmen als Beraterin und Coach. Mich begeistert dabei vor allem, dass Menschen ihre Lösungen meistens bereits in sich tragen. Oft braucht es nur die richtigen Fragen, einen Perspektivwechsel oder jemanden, der einen Spiegel hinhält.
Ich bin ein sehr zugewandter Mensch, aber nicht immer harmoniesüchtig. Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand sich selbst im Weg steht, frage ich auch mal nach. Das macht mich gelegentlich zur Herausforderung. Ich glaube aber, dass Entwicklung selten dort entsteht, wo man sich nur bestätigt fühlt. Heute weiß ich, dass die Menschen, die mich am meisten weitergebracht haben, nicht immer die waren, die mir am meisten zugestimmt haben.
Heute verbinde ich beides: meine Erfahrung aus Unternehmensführung, Restrukturierung und Transformation mit der Arbeit am Menschen.

Warum machst du Coaching?
Was mich an Coaching und Beratung bis heute begeistert, ist der Moment, in dem Menschen plötzlich erkennen, dass sie mehr Handlungsmöglichkeiten haben, als sie zuvor geglaubt haben. Oft braucht es dafür keine komplizierten Konzepte, sondern die richtigen Fragen, einen Perspektivwechsel und jemanden, der den Weg ein Stück mitgeht.
Wenn du auf deinen Werdegang zurückblickst – welche Lehren hast du persönlich daraus gezogen? Was hat dich zu der gemacht, die du heute bist?
Die unterschiedlichen Stationen meines Berufslebens haben mir vor allem eines beigebracht: Das eigene Ego ist selten die beste Grundlage für gute Entscheidungen. Ich nehme meine Verantwortung sehr ernst, mich selbst aber nicht immer. Das hilft mir, offen auf Menschen zuzugehen, zuzuhören und auch Aufgaben zu übernehmen, die vielleicht nicht in einer Stellenbeschreibung stehen. Gerade deshalb gelingt Zusammenarbeit oft besser – professionell, aber mit einer gewissen Leichtigkeit.
Wie sieht eine typische Sitzung bei Dir aus?
Meine erste Frage ist meist: „Was führt dich zu mir?“ Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Manche kommen mit klaren Anliegen, andere sagen: „Meine Frau hat das gebucht.“ Doch egal, wie der Einstieg ist – im Gespräch wird interaktiv sichtbar, um was es wirklich geht.
Oft merken Klienten, dass es gar nicht um das vermeintliche Problem geht, sondern um Rollenklarheit oder Systeme, die sie selbst nicht sehen.
Ich mache keine Dozentenrunde, sondern wir erarbeiten gemeinsam, was wirklich dahintersteckt.
Welche Themen kommen wiederholt auf in Deinen Sitzungen?
Oft merken Klienten, dass es gar nicht um das vermeintliche Problem geht, sondern um Rollenklarheit oder Systeme, die sie selbst nicht sehen. Viele identifizieren sich zu sehr mit ihrer Rolle: „Ich bin gekündigt worden“ – statt: „Meine Position als Geschäftsführerin wurde gekündigt.“ Ich empfehle Klienten, ihre Rollen bewusst aufzuschreiben: „Hier bin ich Geschäftsführerin, dort Privatperson.“ Das ist wie eine Turnübung und durch Wiederholung festigt sich das.
Ich arbeite auch viel mit Kommunikationssystemen: Wie agieren Menschen in hierarchischen oder teamorientierten Umfeldern? Wie können sie lernen, in diesen Systemen klarer zukommunizieren?
Welche Werkzeuge setzt Du ein – und wie helfen sie Deinen Klienten?
In meinen Sessions nutze ich alles, was ich in meinem Werkzeugkasten angesammelt habe: Face-Reading,systemische Aufstellungen, Rollenspiele und provokative Therapie. Face-Reading hilft mir, bei Klienten unbewusste Muster zu erkennen. Das Gesicht zeigt nicht nur Veranlagungen, sondern auch, wie jemand sein Potenzial lebt: gewinnend oder verlierend. Man kann seine Veranlagung so leben, dass sie anderen nützt – oder so, dass sie destruktiv wirkt. Das Gesicht speichert alles: Traumatisierungen, Erfolge, ganze Lebensphasen. Systemische Aufstellungen machen Zusammenhänge sichtbar. Und die provokative Therapie karikiert liebevoll den „Wahn“ der Klienten – Wenn jemand in einer Sackgasse steckt, helfe ich ihm, seinen eigenen ‚Wahn‘ zu erkennen und dann zu relativieren.
Manchmal reicht ein Stupser, und die Leute finden ihren Weg.
Ich arbeite sehr interaktiv: Wir spielen Szenen nach, ich spiegle die Sprache, nehme Klienten mit ihrem Handy auf oder mache Rollenspiele. Das wirkt oft wie ein Schalter. Eine Klientin, die dachte, sie könne nicht kommunizieren, erlebte Folgendes: Ich spiegelte ihre Sprache, nahm sie mit dem Handy auf. Da sagte die Klientin: ‚Boah, rede ichwirklich so schnell?‘“ – und verstand, dass es nicht um mangelnde Kommunikationsfähigkeit ging, sondern um ihr Tempo.
Manchmal reicht ein Stupser, und die Leute finden ihren Weg. Aber wenn ich merke, dass etwas über meine Kapazitäten hinausgeht, vermittle ich weiter. Ich sehe mich nicht als Coach, sondern als Begleiterin. Gemeinsam erarbeiten wir oft kreative, und manchmal eben überraschend einfache Lösungen.
Du nennst Dich eine kreative Lösungsfinderin – wie äußert sich das, wenn du mit Klienten arbeitest? Und worüber staunst du dabei immer wieder?
Kreativität bedeutet für mich, mit dem zu arbeiten, was da ist – und es unerwartet zu kombinieren. Manchmal liegt die Lösung auf der Hand, aber man sieht sie nicht, weil man zu nah dran ist. Ein Beispiel: Da kam ein Klient zu mir, der seine Arbeitszeit reduzieren wollte – doch sein Chef war absolut nicht gesprächsbereit. Statt ihm zu raten, einen Anwalt einzuschalten, fragte ich ihn: ‚Haben Sie eigentlich mal dokumentiert, wie viel Sie wirklich arbeiten?‘ Er hatte keine Ahnung, also schlug ich vor: ‚Laden Sie sich eine App runter und tracken Sie vier Monate lang Ihre Arbeitszeit. Dann wissen wir genau, wo Sie stehen.‘
Als er die Daten auswertete, kam die Überraschung: Er erfüllte sein Pensum schon in vier Tagen. Bei gleichem Gehalt wäre eine Vier-Tage-Woche also gerechtfertigt! So hatte er handfeste Argumente für die Verhandlung – und konnte selbstbewusst auftreten.
Ein anderes Mal kam eine Klientin, die 25 verschiedene Berufsfelder entwickelt hatte und wollte daraus ein Unternehmen machen – der Wald vor lauter Bäumen war nicht mehr zu sehen. Gemeinsam sortierten wir: ‚Was ist eigentlich dein Purpose?‘
Ein anderes Mal saß eine Beamtin vor mir, die kurz davor war aufzugeben, weil sie schlecht von ihrem neuen Team evaluiert worden war. Doch für mich passte diese Bewertung einfach nicht zu der Person, die mir gegenübersaß. Statt mich in der Evaluation zu verlieren, fragte ich: ‚Wer war eigentlich vor dir in dieser Position? Wie war das Team damals vernetzt?‘ Rauskam: Ihr Vorgänger hatte das System manipuliert. Plötzlich verstand sie: Es ging gar nicht um ihre Leistung – es ging um Machtspiele.
Was mich immer wieder überrascht? Wie oft die Lösung auf der Hand liegt! Manchmal kommt jemand und denkt, er braucht monatelange Therapie – und nach einer Session weiß er, wie er vorgehen soll.







