Die BadeHarpfe & neue alpine Architektur am Tannerhof
Wie aus einer archaischen Holzbau-Tradition eine Wasser- und Saunaeinheit wurde – und was die neue alpine Architektur am Naturhotel Tannerhof zusammenhält.

Die BadeHarpfe ist die Wasser- und Saunaeinheit, die 2025 am Naturhotel Tannerhof in Bayrischzell entstand. Ihr Name verweist auf die Harpfe, ein archaisches alpines Holzbauwerk zum Trocknen von Heu. Als langer Holzbau parallel zur Höhenlinie steht sie für die neue alpine Architektur des Hauses: viel Holz, wenig Geste, Altes und Neues nah beieinander.
Das Wichtigste in Kürze
- Die BadeHarpfe verbindet finnische Sauna, Ruheraum, zwei Fitnessräume und den Outdoor-Naturpool zu einer Holzbau-Einheit von 2025.
- Eine Harpfe ist ein traditionelles alpines Gerüst aus senkrechten Pfosten und waagerechten Stangen, das Heu und Getreide trocknet – verbreitet von Kärnten über Osttirol bis Slowenien.
- Der Outdoor-Naturpool misst 25 × 5 m, ist naturgereinigt und von April bis Oktober beheizt, im Winter zum Eisbaden, mit Blick zwischen Wendelstein und Sonnwendjoch.
- Architekt Florian Nagler arbeitet seit 2007 mit dem Tannerhof nach dem Prinzip Einfach Bauen: möglichst wenig, möglichst richtig.
- Die neue alpine Architektur reicht von den Hüttentürmen (2011) über das historische Saunahäuschen (1936) bis zur BadeHarpfe.
Mein Versteck in den Bergen
Ein langer Holzbau, der sich an die Höhenlinie legt. Senkrechte Pfosten, waagerechte Balken, ein schützendes Dach – und dazwischen, wo früher Heu zum Trocknen hing, heute Wasser, Wärme und Bergblick. Die BadeHarpfe am Naturhotel Tannerhof ist 2025 entstanden, und sie tut etwas, das diesem Haus seit jeher liegt: Sie nimmt eine uralte alpine Form und füllt sie neu.
Mein Versteck in den Bergen heißt der Gedanke, der am Tannerhof alles trägt, und die BadeHarpfe ist sein neuestes Kapitel. Wer mehr über die gewachsene Baugeschichte des Hauses wissen möchte, findet sie unter die Architektur des Hauses ausführlich erzählt. Dieser Text geht einen Schritt zur Seite und schaut auf das eine Bauwerk, das dem Haus seinen Namen leiht: die Harpfe.
Was eine Harpfe ist
Bevor die BadeHarpfe ein Bad war, war die Harpfe ein Werkzeug der Landwirtschaft. In den südlichen Ostalpen – in Kärnten, in Osttirol, im westlichen Slowenien – steht sie seit Jahrhunderten am Rand der Wiesen: ein Bauwerk aus Holz mit senkrechten Pfosten und waagerechten Stangen oder Brettern, über die das frisch gemähte Heu gehängt wurde, damit Wind und Sonne es trockneten. Ein Dach schützt die offene Konstruktion vor Regen und Schnee, sodass die Ernte sicher und trocken eingelagert werden kann.
Die Harpfe trägt viele Namen. In manchen Kärntner Tälern heißt sie Köse, im Mölltal Hilge, in Slowenien kozolec in der einfachen und toplar in der doppelten Form. Der Begriff selbst ist alt: Bereits im 13. Jahrhundert taucht das Wort Harpfe in den Quellen auf. Ihr Verbreitungsgebiet reichte einst von Kroatien über das westliche Slowenien und Teile der Steiermark bis ins oberste Mölltal und nach Ost- und Südtirol. Eine schlichte, kluge Form, die mit wenig Material viel leistet – und genau deshalb passt sie an den Tannerhof.
Denn die Harpfe ist im Grunde reine Funktion: kein Schmuck, keine Geste, nur das, was nötig ist, um Luft durch Holz und Heu strömen zu lassen. Diese Haltung – möglichst wenig, möglichst richtig – kehrt in der neuen alpinen Architektur des Hauses wieder.
Florian Nagler und das Prinzip Einfach Bauen
Verantwortlich für die neue alpine Architektur am Tannerhof ist der Architekt Florian Nagler, geboren in Bad Tölz, Professor an der TU München. Seit 2007 arbeitet er mit dem Haus zusammen, das erste große Projekt entstand 2011. Sein Planungsprinzip heißt Einfach Bauen: möglichst wenig, möglichst richtig.
Einfach Bauen ist bei Nagler nicht nur eine Geste, sondern ein erforschter Ansatz. Seit 2012 leitet er an der TU München ein gleichnamiges Forschungsprojekt, in dessen Rahmen in Bad Aibling drei Forschungshäuser entstanden – eines in Holz, eines in Mauerwerk, eines in Leichtbeton. Die Idee dahinter: Statt ein Gebäude mit viel Haustechnik zu steuern, soll die Bauweise selbst für ein stabiles Raumklima sorgen. Robuste Materialien mit thermischer Trägheit, kluge Raumproportionen, richtig gesetzte Fenster und Dachüberstände – und im Ergebnis weniger Technik, die altern und ausfallen kann. Die Messungen in Bad Aibling zeigten über zwei Jahre einen Heizenergiebedarf, der unter den berechneten Erwartungen lag.
Wie sehr es bei diesem Bauen auf das Miteinander ankommt, hat Nagler über den Tannerhof selbst gesagt: Bauen ist Vertrauenssache. Am Tannerhof ist es besonders: Da sagt man hinterher, das wäre nie so geworden ohne die Bauherren. Bauherrin ist Burgi von Mengershausen, in der gemeinsamen Leitungsphase mit Roger Brandes. Es ist diese Verbindung aus Forschung, Handwerk und Haltung, die der Tannerhof als neue alpine Architektur versteht – neu, nicht modern, weil das Neue hier immer an Altes anschließt.
Die Hüttentürme: in die Höhe statt in die Fläche
Naglers erstes großes Werk am Haus waren 2011 die Hüttentürme: vier schlanke Holztürme am Hang, jeder mit drei Doppelzimmern von etwa 26 Quadratmetern. Vollholz, Lärchenschindeln, deckenhohe Glastüren, klassische Bolich-Leuchten – und auf jedem Stockwerk ein eigener Freisitz.
Der Grundgedanke der Türme ist landschaftlich und ökologisch zugleich: Sie wachsen in die Höhe statt in die Fläche, damit keine Almwiese versiegelt wird. Drei kompakte Einheiten stapeln sich übereinander, jede mit eigener Ästhetik und eigenem Blick ins Tal. Wer mehr über das Bauen am Haus erfahren möchte, findet es auf der Seite zur Architektur des Tannerhofs. Die Türme haben dem Haus früh Anerkennung gebracht – darunter den Deutschen Holzbaupreis für das Bauen im Bestand und einen Platz im Deutschen Architekturjahrbuch.
So unterschiedlich Türme und Harpfe wirken, sie teilen dieselbe Logik: Holz, das trägt und zeigt, was es ist. Keine Verkleidung, die etwas vorgibt zu sein, das sie nicht ist. Diese Ehrlichkeit des Materials ist der rote Faden durch alle Bauten am Tannerhof.
Die BadeHarpfe von 2025
Wo die Türme in die Höhe gehen, legt sich die BadeHarpfe in die Länge. Als langer Holzbau folgt sie parallel der Höhenlinie des Hangs, mit einer archaisch-schönen Balkenkonstruktion, die das Vorbild der Heu-Harpfe deutlich erkennen lässt. Sie ist, nach der Pressemeldung des Hauses vom August 2025, die weltweit erste BadeHarpfe.
Im Inneren öffnet sich ein zweigeschossiger Luftraum in der Mitte, nutzbar für Feste, Yoga und Gemeinschaftsformate. Drumherum gruppiert sich, was eine Bade- und Saunaeinheit braucht:
- Eine finnische Sauna bei 85 °C, mit Panoramafenstern in die Bergkulisse.
- Ein Ruheraum mit Rundum-Glas und Loungern, in dem der Blick einfach weiterwandern darf.
- Zwei Fitnessräume – einer für Kraft, einer für Ausdauer.
- Duschen und WCs, schlicht und aus demselben Holz gedacht wie das Ganze.
Florian Nagler hat den langen Entwurfsprozess der BadeHarpfe in ein Bild gefasst, das gut zu diesem Haus passt: Es war so etwas wie ein Einkochen – immer kleiner, immer angemessener. Reduktion als Methode, nicht als Verzicht. Am Ende steht ein Bau, der nichts behauptet und doch viel kann.

Der Outdoor-Naturpool
Zur BadeHarpfe gehört der Outdoor-Naturpool, und er ist ihr offenes Herz. 25 mal 5 Meter Edelstahl, naturgereinigt, von April bis Oktober beheizt – im Sommer übrigens von der hauseigenen Photovoltaik mitversorgt. Im Winter wird das Becken zum Eisbaden genutzt, für alle, die das Schwitz-lach-tauch des Hauses bis in den kältesten Monat tragen wollen.
Das Schönste am Pool ist nicht seine Länge, sondern sein Blick: Er fällt zwischen Wendelstein und Sonnwendjoch ins Weite. Man liegt im warmen Wasser, die Berge stehen ringsum, und der Tag wird leiser. Burgi von Mengershausen hat sich für diesen Ort genau das gewünscht: Einfach hier zu sitzen, da zu sein – ohne bewusst zu merken, was mit einem passiert.
Wer die BadeHarpfe und den Pool mit Sauna, Bädern und Anwendungen verbinden möchte, findet das passende Behandlungsangebot am Haus. Wie die BadeHarpfe entstanden ist und was sich die Bauherrin von ihr versprochen hat, erzählt zudem das Magazin in die BadeHarpfe.
Das historische Saunahäuschen von 1936
Damit aber nicht der Eindruck entsteht, das Schwitzen sei am Tannerhof eine Erfindung von gestern: Das historische Saunahäuschen stammt aus dem Jahr 1936. Es beherbergt eine finnische Sauna und eine Biosauna – und ist zugleich ein kleines Kunstkabinett.
In den Wänden stecken Originalfliesen im Jugendstil von Otto Wagner, einst aus dem Wiener Steinhof, dazu alte Fliesen aus einer Kirche und von Antonio Gaudí entworfene Repliken. Im Kamin ist eine Fassung von Gustav Klimts Der Kuss eingelassen. Hier ist nichts neu und nichts laut, und doch erzählt jeder Quadratmeter eine Geschichte. Zwischen dem Saunahäuschen von 1936 und der BadeHarpfe von 2025 liegen fast neunzig Jahre – und derselbe Gedanke, dass ein guter Ort zum Schwitzen mehr ist als eine Kabine mit Ofen.
So fügt sich am Tannerhof Alt und Neu, Hohem und Tiefem zusammen, wie es im Haus gerne heißt. Die Retro Future Love dieses Ortes ist keine Pose, sondern gebaute Wirklichkeit: ein Saunahäuschen aus den Dreißigern, Hüttentürme von 2011, eine BadeHarpfe von 2025 – und dazwischen die alte Linde, der Bergbach und die Almwiesen, die das alles tragen.
Eine Architektur, die nicht beeindrucken will
Was die neue alpine Architektur am Tannerhof verbindet, ist eine Zurückhaltung, die selten geworden ist. Die Bauten wollen nicht beeindrucken, sie wollen passen – zur Landschaft, zum Material, zu den Menschen, die hier ankommen. Holz, das nach Holz aussieht. Türme, die keine Wiese verbrauchen. Eine Bade-Einheit, die ihren Namen einer Heutrocknung verdankt.
Diese Haltung ist über die Jahre vielfach ausgezeichnet worden, vom BDA-Preis Bayern für Raumwirkung über den Deutschen Holzbaupreis bis zur Architektur-Nike für Komposition; das Umweltzeichen Blaue Schwalbe steht für die ökologische Seite desselben Denkens. Doch die Auszeichnungen sind nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass man hier baden, schwitzen und schlafen kann, ohne dass einem das Gebaute je im Weg steht. Mensch, werde wesentlich – die innere Philosophie des Hauses findet in dieser Architektur ihren stillen Widerhall.

Die Architektur erleben
Wer die BadeHarpfe, die Hüttentürme und das historische Saunahäuschen mit eigenen Augen sehen möchte, findet am Naturhotel Tannerhof eine neue alpine Architektur, die nichts behauptet und viel hält: Holz, Bergblick, ein Outdoor-Naturpool zwischen Wendelstein und Sonnwendjoch und ein Saunahäuschen aus den Dreißigern. Mehr zur gewachsenen Baugeschichte steht bei die Architektur des Hauses; für einen Aufenthalt führt der kurze Weg über die Anfrage.
FAQs
Die BadeHarpfe ist die Wasser- und Saunaeinheit, die 2025 am Naturhotel Tannerhof entstand. Sie ist ein langer Holzbau parallel zur Höhenlinie und vereint eine finnische Sauna, einen Ruheraum, zwei Fitnessräume und den 25-Meter-Outdoor-Naturpool. In der Mitte öffnet sich ein zweigeschossiger Luftraum für Feste, Yoga und Gemeinschaftsformate. Ihren Namen verdankt sie der alpinen Harpfen-Tradition.
Eine Harpfe ist ein archaisches alpines Holzbauwerk aus senkrechten Pfosten und waagerechten Stangen oder Brettern, über die früher Heu und Getreide zum Trocknen gehängt wurden. Ein Dach schützt die offene Konstruktion. Verbreitet ist sie in den südlichen Ostalpen, von Kärnten über Osttirol bis ins westliche Slowenien, wo sie kozolec oder toplar heißt.
Neue alpine Architektur meint am Naturhotel Tannerhof das Bauen mit dem Architekten Florian Nagler nach dem Prinzip Einfach Bauen: viel Holz, wenig Geste, robuste Materialien und Bauten, die sich der Landschaft anpassen statt sie zu überformen. Dazu gehören die Hüttentürme von 2011, die BadeHarpfe von 2025 und der respektvolle Umgang mit Altbestand wie dem Saunahäuschen von 1936.
Der Outdoor-Naturpool misst 25 mal 5 Meter, besteht aus Edelstahl und wird naturgereinigt. Von April bis Oktober ist er beheizt, im Sommer mitversorgt von der hauseigenen Photovoltaik. Im Winter dient das Becken zum Eisbaden. Der Blick fällt zwischen Wendelstein und Sonnwendjoch ins Tal.
Die neue alpine Architektur am Tannerhof entsteht seit 2007 mit dem Architekten Florian Nagler, geboren in Bad Tölz und Professor an der TU München. Sein Prinzip Einfach Bauen erforscht er auch an der TU München mit drei Forschungshäusern in Bad Aibling. Bauherrin am Tannerhof ist Burgi von Mengershausen.
Das historische Saunahäuschen stammt aus dem Jahr 1936 und beherbergt eine finnische Sauna und eine Biosauna. In den Wänden stecken Jugendstil-Originalfliesen von Otto Wagner aus dem Wiener Steinhof sowie Gaudí-Repliken, im Kamin eine Fassung von Klimts Der Kuss. Es zeigt, dass Baukultur und Schwitzen am Tannerhof eine lange gemeinsame Geschichte haben.
Quellen
- Wikipedia: Harpfe – Definition, Konstruktion, regionale Namen und Verbreitung des alpinen Heutrocknungs-Bauwerks.
- Deutsches Architektenblatt: Einfach Bauen: Ergebnisse und neue Forschungshäuser – Florian Naglers Forschungsprojekt an der TU München und die Forschungshäuser in Bad Aibling.
- TU München / Lehrstuhl Nagler: Forschungshäuser Bad Aibling, Tragwerk – drei monolithische Forschungshäuser in Holz, Mauerwerk und Leichtbeton.
- Hauseigene Quellen: Naturhotel Tannerhof, Die Architektur des Hauses, die BadeHarpfe und Wesentlich bauen – ein Gespräch mit Florian Nagler.
Gesundheitsprogramme am Tannerhof
Body Detox Heilfasten
Mental Resilience
Longevity
Immune Booster
Aesthetics
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